Freitag, 21. April 2017

Tag 35 - In Venedig (02. April)

Auf diesen Tag habe ich mich gefreut, wie auf keinen anderen. Endlich ging es nach Venedig, die Stadt in die mich nach "Herr der Diebe" verliebt habe. Außerdem haben mir meine Eltern begeistert von ihrem Urlaub dort erzählt sowie viele Freunde. Damit ich den Tag auch gut nutzen konnte, hatte ich den Wecker auf 05:30 Uhr gestellt, verbrachte die ersten Minuten allerdings damit im Bett ein paar Infos zu Venedig herauszusuchen. Nach einer Dusche habe ich dann das nötigste in eine Plastiktüte getan, da ich keinen Rucksack mithatte. Zu Fuß ging es dann ein paar Meter durchs verschlafene Mestre. Mit Hilfe eines netten Italieners fand ich das richtige Ticket für mich und saß kurz darauf im relativ leeren Bus nach Venedig. 
Die Vorfreude stieg und stieg mit jedem Meter, den der Bus fuhr. Im Morgengrauen setzte ich dann endlich meinen Fuß auf die erste Brücke in Venedig. 
 
Die Stadt war fast menschenleer, ich hatte sie sozusagen ganz für mich alleine. Ich konnte mich an den Brücken und verwinkelten Gassen gar nicht satt sehen. Überall gab es etwas zu entdecken und so schlenderte ich durch Venedig, hörte ein bisschen Musik und das hätte ich so den ganzen Tag machen können. 
 
Ein sehr emotionaler Moment war dann, als ich den Markusplatz das erste Mal sah mitsamt dem geflügelten Löwen, den ich mir mehrere Minuten ansah, weil er mich so faszinierte. 
 
Ein zwielichtiger Typ kam dort auf mich zu und gab mir etwas Taubenfutter in die Hand und machte dann ein Foto von mir mit den Tauben auf dem Arm.
Dass das verboten war wusste ich nicht, dass er Geld dafür haben wollte, schon. Doch von seiner Forderung von 10€ war ich dann doch sehr überrascht. Ich handelte ihn auf 5€ runter und freute mich danach eher über die Fotos, als über die komische Situation nachzudenken. 
 
In einem Café, das hauptsächlich von Einheimischen besucht wurde, frühstückte ich einen Kakao und ein Schokocroissant und nahm für den Weg noch zwei Kekse mit. 
 
Am Abend zuvor hatte ich mich informiert, wieviel eine Gondelfahrt kostet und den Gedanken daran sehr schnell wieder verworfen, als ich die Preise las. Dafür kaufte ich mir ein Tagesticket für die Boote, die durch die ganze Stadt von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit schipperten. 
 
Als ich mich in das Boot setzte, war der Markusplatz fast leer, genauso wie fast keine Plätze des Bootes besetzt waren. Doch während der Fahrt würde es nicht nur im Boot, sondern auch in ganz Venedig unglaublich voll, wie ich feststellte, als ich eine Stunde später wieder am Markusplatz angekommen war. 
 
Dort sah ich auch, dass ein Start für einen Lauf aufgebaut wurde. Außerdem dehnten sich zahlreiche Menschen in Sportklamotten. Ich fragte nach, was hier stattfinden würde, da ich befürchtete, dass mein Venedig-Tag von einem großen Lauf gestört werden würde. Als ich endlich jemanden gefunden hatte, der Englisch sprechen konnte, verriet man mir, dass tatsächlich ein 13 km - Solidaritätslauf für irgendetwas unterstützenswertes stattfinden und man sich noch dafür anmelden konnte. 
 
Da ich selbst sehr gerne laufe und das die letzten Wochen nicht gemacht hatte, bekam ich Lust einfach mitzumachen und kaufte mir für 8€ kurzentschlossen ein Ticket für den Lauf - eine Stunde vor Beginn. Nun hatte ich allerdings noch meine Jacke und die Plastiktüte mitsamt Wasserflasche und Powerbank dabei. So kam es mir sehr gelegen, dass man die Möglichkeit hatte einen Turnbeutel zu kaufen, in dem ich alles perfekt verstauen konnte. Meine Fahrradschuhe waren für einen Lauf zwar nicht perfekt und mit einem Hemd war ich zwar der bestgekleidetste Läufer, aber eben leider auch nicht sportlich angezogen. 
 
So waren die Voraussetzungen mittelmäßig, der Lauf dafür umso schöner. Ich hatte die Möglichkeit mit vielen Italienern zusammen Seiten von Venedig kennenzulernen, die abseits der Touri-Pfade lagen. So hatte ich nicht nur eine sportliche Herausforderung, sondern sah auch unheimlich viel von Venedig. Die Brücken allerdings waren sehr anstrengend zu bezwingen und am Ende des Laufs gab es zwar eine Medaille, aber leider nicht zu Essen und Trinken. 
 
Also kaufte ich mir erst einmal ein T-Shirt des Laufs, um es gegen mein vollgeschwitztes Hemd auszutauschen und danach ein Eis als Belohnung. 
Ein großes Ziel war für mich an diesem Tag das "La Stella" zu finden, das Kino aus "Herr der Diebe". Schon zwei gute Freundinnen von mir hatten bei ihrem Venedig-Urlaub vergeblich danach gesucht. Auch ich hatte leider kein Glück (ein Grund mehr noch einmal nach Venedig zu kommen), dafür fand ich Scipios Haus:
 
In der Nähe der Rialtobrücke fand ich dann noch ein Restaurant, das sehr schön eingerichtet war, eine nette Bedienung hatte, eine fantastische Pizza und dafür sogar recht günstig war. Außerdem hatte ich so die Gelegenheit ein wenig runterzukommen und die Eindrücke zu verarbeiten. 
 
Danach machte ich noch eine längere Bootstour, für die ich zunächst bis zur Endhaltestelle fuhr, um von dort mit einem neuen Boot in die andere Richtung zurückzufahren. So konnte ich einen guten Platz ergattern, von dem aus ich eine sehr gute Sicht hatte.
 
Nach der langen Tour war ich schon sehr erschöpft, ließ es mir aber doch nicht nehmen ein wenig durch Venedig zu schlendern. Nun war es allerdings deutlich voller, als noch am Morgen und ich regte mich über all die Touristen auf, obwohl ich ja selbst einer war. Natürlich besuchte ich noch eine Buchhandlung stellte dort aber sehr enttäuscht fest, dass es "Herr der Diebe" von Cornelia Funke dort nicht zu kaufen gab. Doofe Buchhandlung. Dafür hatte eine Freundin mir empfohlen in Venedig Aperol Spritz zu trinken, da das typisch venezianisch sei und noch dazu recht günstig. Sie empfahl mir einen Laden, den ich nach ein paar Umwegen auch fand. 
 
Nach der Erfrischung ging ich dann auch schon zurück zur Busstation und es hieß Abschied nehmen von dieser tollen Stadt. Venedig, ich komme wieder!
 

Tag 34 - Von Lignano Sabbiadoro nach Mestre (01. April)

Das Frühstücksbüffet, das mich am Morgen erwartete hatte ich fast für mich alleine. Sehr überrascht war ich von den Croissants, die in Italien ein wenig anders serviert werden, als in anderen Ländern. Hier hat man sich nämlich gedacht: Das Ding ist im Prinzip schon pures Fett, dann machen wir noch Zucker oben drauf und was süßes rein. So gibt es die Croissants gefüllt mit Vanillecreme oder verschiedenen Marmeladen. Davon musste ich natürlich etwas probieren und aß zudem Cornflakes, zwei Brötchen, ein weiteres Croissant, Rührei, Kekse und Kakao. 
 
Der Start der Fahrt war dann auch sehr schön - die weiten Felder und die typisch italienischen Pflanzen könnten mich begeistern und zudem hatte ich am Anfang noch viel Rückenwind. Doch dann drehte der Wind und auch ich musste in eine andere Richtung, sodass ich jetzt Gegenwind hatte, der mich nervte. 
 
An dieser Stelle eine Frage an die Lehrer, die das jetzt vielleicht lesen: Wozu braucht es Wind? Gibt es da wirklich keine Alternative, sowas, wie ein Windfluss, also ein Fluss mit Wind, statt Wasser, den man einfach umfahren kann? Hat der liebe Gott da mal drüber nachgedacht?
Lange Zeit fuhr ich dann auf einer vielbefahrenen Straße und war sehr froh, als ich die App ein paar Meter neben die Fahrbahn auf einen Feldweg schickte. Über eine Brücke sollte es dann nach ein paar Kilometern wieder auf die Fahrbahn gehen, doch die Brücke wurde wohl nicht mehr benutzt, denn Brücke und Fahrbahn trennte die Leitplanke, die hier leider keinen Aussetzer machte.
 
So musste ich den ganzen Weg wieder zurück fahren. Dabei hatte ich mir gerade als Ziel gesetzt in einer Stunde mein Ziel zu erreichen. Das konnte ich nun vergessen. Dafür warnte ich eine Gruppe Fahrradfahrer vor, die auch den Weg fahren wollte. Sie erklärten mir, wie ich nach Mestre kommen konnte, ohne auf der Straße zu fahren, die sie für sehr gefährlich hielten, weil dort so viele Autos so schnell unterwegs waren. Doch ich wollte einfach nur noch in mein Hotelzimmer und so fuhr ich mit lauter Musik ohne Kopfhörer auf der Bundesstraße weiter. Dabei vielen mir am Straßenrand so viele tote Tiere auf, dass ich fast das Gefühl hatte, da wäre ein wenig lebendiger Kleintierzoo am Straßenrand. Unter dem Motto: "Papa, irgendetwas stimmt mit Hasi nicht."
Das Hotel war schnell gefunden und die Sachen abgeladen. Ich telefonierte mit meinem Papa und meiner Schwester, die Besuch von meiner Oma und Tante hatten. Danach wollte ich im benachbarten Restaurant eine Pizza essen, schließlich war ich ja nun in Italien. Doch als ich dort saß und man mir die Speisekarte reichte, stellte ich fest, dass es hier keine Pizza gab. Und dann machte ich das wohl unangenehmste, was ich während der Reise gemacht habe, ich fragte noch ein Mal nach und bin dann aus dem Laden gegangen. Im Hotel ließ ich mir eine Pizzaria empfehlen, die jedoch leider zu hatte. Dafür ging ich dann in ein unglaublich großes Restaurant mit hunderten Gästen. 
 
Trotzdem war es unfassbar gut organisiert. Die Kellner wuselten du h die zwei Etagen und nach wenigen Minuten kam mein Essen. 
Mit vollem Magen ging es dann durch Mestre zurück zum Hotel. Dabei traf ich auf viele angetrunkene Partypeople, die den Samstag Abend sichtlich genossen. 
 
Für mich allerdings ging es nach einigen Venedig-Recherchen früh ins Bett, da ich morgens so früh, wie möglich loswollte.

Tag 33 - Von Triest nach Lignano Sabbiadoro (31. März)

Als ich morgens zum Frühstück kam, erwartete mich schon Yarno, der Eigentümer, den ich schon am Vortag kennengelernt hatte. Ich aß ein Croissant und wir unterhielten uns ein wenig über meine Reise und Italien. 
 
Er verriet mir, dass die Menschen in Norditalien nicht so kommunikativ waren und eher aufs Arbeiten konzentriert, während die Italiener im Süden offener und lebensfroher sind. Außerdem erzählte er mir, wie auf die Idee kam ein B & B zu eröffnen. 
Nach dem sehr netten Gespräch packte ich meine Sachen und hinterließ noch einen Eintrag in seinem Gästebuch. Ich schrieb auch meine Blogadressebdazu und sagte ihm, dass man an der Seite die Sprache einstellen könne. Dann ging ich samt Gepäck runter zu meinem Rad und wollte gerade losfahren, als Yarno nach unten kam und fragte, ob wir nicht ein Foto zusammen machen wollen, denn er hatte auf dem Blog gesehen, dass ich das oft gemacht hatte. Ich freute sehr darüber und dieses Foto ist dabei entstanden:
 
Die Fahrt durch Triest war sehr schön, zudem ging es nun am Mittelmeer entlang, sodass richtiges Urlaubsfeeling bei mir aufkam. Auch das Wetter war perfekt - nicht zu kalt und nicht zu warm. Da ich nun endlich am Mittelmeer angekommen war, wollte ich natürlich auch ein Erinnerungsfoto machen, aber immer nur Selfies sehen natürlich nicht so schön aus. Deshalb fragte ich ein älteres Ehepaar, das am Wasser entlang schlenderte. Er machte ein Foto und sie erzählten mir beide noch, was ich mir unbedingt ansehen müsse, sie erzählte, dass ihr Name aus Deutschland komme (Anna) und fragte mich, woher meiner stammt. Ich sagte aus dem IKEA-Katalog. Wir redeten noch ein bisschen weiter, bis sie sich dann nett verabschiedeten und weiterschlendeten. Als ich an ihnen vorbeifuhr, winkten sie mir noch zu.
 
Nach der netten Begegnung ging es nun wieder viel bergauf, so hatte ich zwar wieder eine tolle Sicht auf das Mittelmeer, allerdings musste ich auch um jeden Höhenmeter kämpfen. 
Oben wollte ich mir ein Eis gönnen, doch dieses zu kaufen war gar nicht so einfach, da der Verkäufer kein Englisch konnte, wie insgesamt überraschend viele Italiener. Nach der kühlen Erfrischung ging es nun in gutem Tenpo wieder bergab. 
 
Wieder machte ich meine Pause bei einer Kirche und hörte meinen Podcast laut, ich Rebell...
Ich aß den Apfel, den Yarno mir aus seinem B & B noch mitgegeben hatte und als ich weiterfuhr, würde ich von einer enthusiastischen älteren Italienerin eingesprochen, die leider auch kein Englisch konnte. 
 
Je näher ich dem Urlaubsort kam, desto mehr Menschen traf ich auch, die mir nett zulächelten und nachschauten. Die Gegend wurde schöner und die Häuser gepflegter. Ganz klar konnte ich nun erkennen, dass dies eine typische Touri-Gegend war.
 
Doch das störte mich nicht, denn noch waren nicht viele Urlauber unterwegs. Mein Hotel hatte ich schnell gefunden, das Fahrrad sicher verstaut und dann habe ich noch ein paar Sachen gewaschen. 
 
Keine zehn Minuten, nachdem ich mich hingelegt hatte, war ich auch schon eingeschlafen.

Tag 32 - Von Ljubljana nach Triest (30. März)

Ein besonderer Tag war gekommen, denn es hieß nicht nur Abschied nehmen vom wunderschönen Slowenien, sondern auch Hallo sagen zu Italien, einem Land, an das ich nur gute Erinnerungen hatte. In der Mittelstufe sind wir damals nach Sorrent in die Nähe des Vesuvs gefahren und auch wenn es nicht meine Lieblingsklasse war, war es definitiv der schönste Klassenfahrtsort. 
Voller Vorfreude packte ich meine Sachen, wechselte noch ein paar Worte mit dem Eigentümer der Wohnung und dann später, als geplant um kurz vor 10 Uhr los. 
 
Der Weg versprach recht hügelig zu werden, doch der Anfang war sehr entspannt und mit einer Folge "Podcast UFO" im Ohr ließ sich der Weg noch einfacher fahren. Lange ging es durch ein Waldgebiet, in dem laut Warnhinweisen ein Bär hauste. Im Internet hatte ich vorher viele witzige Hinweise zu Bären gelesen. So stand dort zum Beispiel, dass man keine Selfies mit schlafenden Bären machen solle. Ein so präziser Hinweis, dass das auf jeden Fall jemand sehr unerfolgreich ausprobiert haben muss. Außerdem stand im Internet man solle die Arme in die Höhe strecken und kreisen lassen, weil der Bär einen dann für komplett behämmert hält und lachend weggeht. Nein, natürlich nicht. In Wirklichkeit erinnern die Arme den Bären an das Geweih von Rehen oder Hirschen. Da diese sich aber nicht entgegengesetzt bewegen können, ist er irritiert und geht fort. So viel zum Thema "Bären Survival Tipps". Ich war also bestens vorbereitet, letztendlich aber auch froh keine Bekannschaft mit einem Bären gemacht zu haben. 
 
Mir fiel auf, dass der Wald steiniger war, als andere Wälder, durch die ich während meiner Reise gefahren war. Außerdem schien die Sonne so extrem, dass ich meine verschmierte Sonnenbrille aufsetzten musste, durch die mein Sehsinn getrübt wurde. So machte ich Fotos von Rehen, die in Wirklichkeit, so stellte ich nach dem Absetzten der Sonnenbrille fest, nur Figuren waren. 
 
Zudem nahmen die Viecher zu, die mir mit Karacho mitten ins Gesicht flogen. Bei einer Kirche machte ich eine Pause und da meine Kopfhörer schlapp machten, hörte ich den Podcast einfach laut und nahm die irritierten Blicke von Passanten in Kauf. 
 
Der Großteil des Bergauf-Weges war geschafft und die kleinen Eidechsen, die hin und wieder über den Weg huschten bebten meine Laune. Dann jedoch kam die ätzendste Stelle überhaupt. Es ging einen steinigen, schmalen Weg bergauf, den ich größtenteils schieben musste. Normalerweise höre ich dann Podcasts, um mich abzulenken, doch der Weg lag direkt neben einer Autobahn, sodass ich den Podcast unmöglich hören konnte. 
 
 Mich ärgernd kämpfte ich ich den Weg hoch. Der Weg bergab war dann auch nicht besser und meine Kette flog raus. Die hatte ich zum Glück in wenigen Minuten wieder eingesetzt, genervt war ich aber trotzdem. Dafür gönnte ich mir bei der nächsten Pause in einem ruhigen, beschaulichen slowenischen Dorf eine niegelnagelneue Folge "Das Podcast UFO", die ich mir extra für schlechte Phasen aufgehoben hatte. 
 
Daraufhin folgte ich einem Radweg, der mich durch saftiges Grün rechts und links von mir ganz ohne Grenzkontrolle von Slowenien nach Italien brachte. Lediglich mein Navi verriet mir die Ünerquerung der Landesgrenze. Italien begrüßte mich mit einem Radfahrer, der mir lächelnd entgegenkam und mir zuwinkte. 
Vorher hatte ich mir Gedanken gemacht, ob ich nicht zu viel von Italien erwarten würde. Ich befürchtete, dass ich Italien nur anhand meines Standorts in der Navigations-App erkennen würde, doch das Grün, die engen Gassen, die Menschen, die vielen Pflanzen und die Gebäude sahen alle so Italienisch aus, dass es mich überwältigte. Und dann kam das Mittelmeer, das sich auf einmal vor mir auftat. 
 
Dadurch, dass ich so viel bergauf gefahren war, hatte ich nun eine gigantische Sicht und stand ungelogen fünf Minuten lächelnd da oben und sah mir Triest sowie das Mittelmeer an. Auch bei der Bergab-Fahrt hielt ich mehrmals an, genoss die Aussicht und machte ein paar Fotos. Durch die malerischen, engen Gassen ging es steil bergab und spätestens bei den Treppen musste ich mein Fahrrad runter schieben und tragen. 
 
Das B & B fand ich ohne Probleme und war begeistert von dem netten Empfang des Italieners, dem die Wohnung im dritten Geschoss gehörte, deren Zimmer er vermietete. Er zeigte mir, wo ich mein Fahrrad abstellen konnte und danach mein Zimmer, das offensichtlich das Zimmer für Verliebte war, was mir wieder einmal vorhielt, dass ich alleine reiste. In diesem Fall müsste ich aber eher darüber lachen. 
 
Er empfahl mir eine Pizzaria, die in ein paar Minuten zu Fuß zu erreichen war, sodass ich noch ein wenig was von Triest sehen konnte. Der dann doch längere Weg war völlig okay, denn die Pizza war genauso, wie ich sie mir in Italien erhofft hatte. 
 
 Am Hafen von Triest lag ein großes Kreuzfahrtschiff vor Anker, das ich mir nach dem Essen unbedingt ansehen wollte, doch während alle Italiener begeistert Bilder von dem großen Schiff machten, kehrte ich diesem den Rücken zu und machte Bilder von Triest bei Nacht. Die Menschen dort müssen mich auch für bescheuert gehalten haben, da ich ja aus ihrer Sicht die falsche Seite fotografierte. 
 
Bei Nacht schlenderte ich dann zurück zum B & B und telefonierte auf dem Weg dorthin noch mit meiner Familie.

Tag 31 - In Ljubljana (29. März)

Noch am vorherigen Abend hatte ich mich dazu entschieden noch eine weitere Nacht in der Unterkunft zu verbringen und am nächsten Tag Ljubljana zu erkunden. Erst einmal schlief ich aber aus und informierte mich dann darüber, wohin es am nächsten Tag gehen sollte. 
Gegen Mittag machte ich mich mit dem Rad dann auf in Richtung Innenstadt. Ich sah mir die Top-Sehenswürdigkeiten an, deren Namen ich jetzt aber schon wieder vergessen habe. Schön sah's auf jeden Fall aus! 
 
Dann ging es natürlich, wie es sich für einen zukünftigen Medienkaufmann gehört in eine Buchhandlung, die slowenischen Cover auschecken. 
 
Mein Fahrrad schloss ich danach an dem zentralen Platz in Ljubljana mit den drei Brücken an, kaufte mir ein überteuertes Eis, setzte mich vor die Kirche dort, hörte Musik und sah den Menschen zu. 
 
Als nächste Sehenswürdigkeit stand der St. Nikolaus Dom auf dem Plan, auf den es aber irgendwie keinen guten Blick gibt. Dafür war der große Park Tivoli, der sich mitten in Ljubljana befindet sehr schön. 
 
Mit dem Fahrrad fuhr ich durch die Grünanlage in Richtung meiner Unterkunft, machte bei Hofer halt, um mir etwas zu Essen zu kaufen und machte mir dann in der Wohnung angekommen Spätzle.

Donnerstag, 20. April 2017

Tag 30 - Von Catez ob Savi nach Ljubljana (28. März)

Das Bett war so weich und schön, dass ich direkt etwas verschlief, obwohl ich eigentlich vorhatte früh loszufahren, denn es sollte einen relativ weiten Weg nach Ljubljana, der Hauptstadt Sloweniens gehen, ein Weg, der noch dazu sehr hügelig war. Slowenien war nun schon das siebte Land, durch das ich fuhr und so langsam hatte ich das Gefühl "Stadt, Land, Fluss" im Real Life durchgespielt zu haben. Den Namen Ljubljana konnte ich bis vor kurzem noch nicht einmal aussprechen und nun würde ich bald mit dem Fahrrad in die Stadt fahren. Doch bis dahin war noch ein weiter Weg.
 
Der Morgen war unglaublich schön, die ersten Sonnenstrahlen tasteten über die Berge, alles war ruhig und in der Ferne konnte ich Zagreb sehen. Obwohl das Sonnenlicht sehr warm aussah, war es tatsächlich eher kalt. 
 
Dafür war der Anfang zumindestens gut zu fahren, denn zunächst ging es viel bergab und der Weg darauf war sehr flach. Dabei hörte ich das "Mulan"-Hörspiel, das auf jeden Fall Lust auf den Film machte. 
In einem Supermarkt kaufte ich sehr günstig etwas zu Essen ein und die Kassiererin fragte mich sehr nett, woher ich denn komme und wohin es als nächstes gehen würde. 
 
Doch nicht nur die Menschen hier waren unfassbar nett, sondern die Natur auch atemberaubend schön. Die bergige Landschaft und die vielen Flüssen ließen mich immer wieder staunen, gerade weil ich mit Slowenien vorher so gar nichts verbunden hatte. 
Nun ging es ordentlich bergauf, dafür war die Aussicht danach umso schöner. Außerdem fand ich langsam Gefallen an Strecken, die es bergauf ging, denn wenn man diese Herausforderung gemeistert hatte, fühlte man sich danach direkt ein bisschen stärker und meistens ging es auch wieder bergab. 
 
Ich sah ein paar Eidechsen, die mich an Italien während der Klassenfahrt vor ein paar Jahren erinnerten und viele Falken, die majestätisch über den Bergen flogen. Dann ging es durch die wohl ärmste Gegend, durch die ich während der Reise gefahren bin. Die Menschen lebten dort in kaputten Wohnwagen, jedenfalls sahen sie nicht funktionstüchtig aus. Danach wollte ich wieder eine Pause machen, doch es gab natürlich wieder keine Bänke. Mann, Mann, Mann...Dafür machte ich meine Pause auf einer Brücke und ließ meine Beine über einem Bach baumeln.
 
Gestärkt ging es dann wieder viel bergauf. Hechelnd fuhr ich eine Straße hoch, als mich eine Frau, die vor ihrem Haus stand fragte, ob ich etwas zu trinken haben wolle. Sie verschwand mit meiner Trinkflasche in ihrem Haus und kam mit einer befüllten wieder zurück. Sie konnte zwar nicht gut Englisch, aber trotzdem konnten wir uns einigermaßen gut über meine Reise unterhalten - eine Begegnung, an die ich immer wieder zurückdenken muss. 
 
Neben der unberührten Natur zeichnet sich Slowenien auch durch viele moderne und neu gebaute Gebäude aus. In den letzten sechs Jahren hat sich Slowenien wohl sehr verändert, von der Raupe zum Schmetterling sozusagen. Noch sind die Preise dort auch sehr günstig, doch so langsam ändert sich das, also schnell ab nach Slowenien! Ich jedenfalls freute mich über diese wunderbare Entdeckung.
Als ich bei meiner Unterkunft in Ljubljana endlich ankam war ich völlig erschöpft und wollte mich ausruhen, doch ich würde wieder weggeschickt, da das Zimmer noch nicht fertig war. Dafür empfahl mir der Eigentümer eine gute Pizzeria, zu der ich gehen sollte. Da das ja auch eine Art von Erhohlung war, kam ich seiner Empfehlung nach. Die Pizza schmeckte gut, dass zu der aber Ketchup gereicht wurde, spricht wohl nicht für das Restaurant. Der Pizza-Experte hat gesprochen.
 
Bei Hofer (Aldi) kaufte ich etwas zu Essen ein und sah mir dann abends, nachdem ich mir den Luxus der Badewanne gegönnt hatte, "Duell um die Geld" an. Vorher telefonierte ich noch mit Bettina und Branka vom THEater, bei dem ich im letzten Jahr Peter Pan spielen durfte.

Tag 29 - Von Vrbovec nach Catez ob Savi (27. März)

Das Frühstück am Morgen wurde in einem großen Ballsaal serviert, der fast leer war, als ich dort eintraf. 
 
Auch ein Frühstücksbüffet, wie ich es gewohnt war, gab es nicht. Irritiert fragte ich nach, ob ich hier richtig sei. Dem war so, doch ich musste einem Kellner meine Frühstückswünsche mitteilen. Es ist eine Sache fünf Mal zum Buffet zu gehen und unter den Blicken anderer Gäste immer mehr Essen auf den Teller zu packen. Wirklich unangenehm wird es erst, wenn man einer anderen Person seine schlechten Essgewohnheiten erzählen muss. Doch ich legte alle Peinlichkeiten  ab und bestellte nacheinander zwei Schüsseln Cornflakes, Rührei, das mit Mini-Croissants gebracht wurde, Wasser und einen Kakao. Danach war mir zwar ein wenig übel, aber das gute Frühstück war es auf jeden Fall wert gewesen. 
 
Danach wollte ich für den Tag etwas zu Essen einkaufen. Dazu bräuchte ich natürlich die kroatische Währung und im Internet stand, dass ich im Hotel Geld wechseln könnte, doch dem war leider nicht so. So musste ich ohne kroatisches Geld aufbrechen und hoffen, dass mich die Reste der Vortage durch den Tag bringen würden. Dann kam ich allerdings bei einem Eisverkäufer vorbei und bekam Appetit. Englisch sprechen konnte der Verkäufer aber leider nicht und so nutzte ich den Google Übersetzter, um zu fragen, ob ich denn auch mit Euro bezahlen könnte. Ich konnte und bekam als Rückgeld die Kroatische Kuna. So hatte ich auch ein kleines Erinnerungsstück an Kroatien. 
 
Landschaftlich und auch was die Gebäude anging konnte ich keinen großen Unterschied zu Ungarn feststellen. Die Ortschaften wirkten mittelmäßig gepflegt, am saubersten und schönsten waren immer die Kirchen. Ein großer Unterschied zu Ungarn war aber das Fahrverhalten der Auto- und LKW-Fahrer. Die nahmen keine Rücksicht auf mich und fuhren so knapp es ging an mir vorbei, als hätten sie eine Wette am laufen, wer die wenigsten Zentimeter zwischen Auto und mir erreichen konnte ohne mich vom Rad zu hämmern. Das machte das Fahren sehr unangenehm. 
 
Schlimmer wurde es, als ich in die Hauptstadt Zagreb fuhr. Hier gingen alle Passanten wie selbstverständlich auf den Fahrradwegen, wenn man klingelte, tat sich nichts. Allerdings muss ich zugeben, dass ich da auch eine sehr zweifelhafte Doppelmoral entwickelt habe, denn wenn die Fahrradwege unebener, als die Fußgängerwege sind, fahr ich auch auf der angenehmeren Bahn, nehme aber natürlich Rücksicht auf Fußgänger. Dennoch meckere ich über Leute, die den falschen Weg benutzen und mache es selbst. Genauso, wie ich kein Freund von Religionen bin, aber unbedingt in einer Kirche heiraten möchte.
Deutschland wird im Ausland manchmal ein zu hoher Nationalstolz unterstellt, fährt man aber durch Zagreb, kriegt man einen ganz neuen Eindruck von dem Wort, denn die Straße wird gesäumt von Kroatien-Flaggen, die in 10 Meter - Abständen über der Fahrbahn hängen. Doch meine schlechte Laune verflog, als mir ein kroatischer Radfahrer entgegenkam, der mich grüßte mit etwas, das klang, wie "Hallile". Ich nehme mal an, dass das so etwas, wie "Hallöle" heißt, oder vielleicht doch "Du Pfeife, du fährst auf dem Fußgängerweg!". 
Bei einem Bäcker kaufte ich ein paar Brötchen und ein Muffin und bezahlte mit meiner Sparkassenkarte. Die Autofahrer blieben rücksichtslos und so war ich sehr froh, als die slowenische Grenze näher kam. Die war allerdings deutlich kleiner, als die Grenze, die ich am vorigen Tag überquert hatte. Ein kleines Häuschen mit einer Beamtin stand vor einem Zaun, der zwischen zwei Häusern gespannt war und in dessen Mitte eine Tür lag. Als ich an dem Häuschen vorbeifuhr, ignorierte mich die Beamtin, doch als ich die Tür öffnete und kein Fahrrad auf die andere Seite schob, kam sie ganz langsam auf mich zu. Ich holte meinen Ausweis und sie sagte mir, dass ich zu einer anderen Grenze müsse, da diese nur für Slowenen bestimmt war. Also kehrte ich genervt um, fand die andere Grenze aber sehr schnell und konnte dann problemlos weiter. 
 
Ich hatte allerdings damit gerechnet, dass es nach der Grenze die Möglichkeit geben würde Geld abzuheben, denn für die Übernachtung hatte ich nicht mehr genug in bar dabei. Leider war das nicht so und so musste ich über Google Maps noch eine suchen. Relativ schnell hatte ich einen Bankautomaten gefunden, allerdings trennten mich und der Automat ein Zaun, der verschlossen war. Einen anderen Weg sah ich nicht und so kletterte ich kurzentschlossen darüber und bin mir bis heute nicht sicher, ob ich so eine Landesgrenze überquert habe oder ein anderes Verbrechen begangen. 
 
Der Automat jedenfalls spuckte nur 20€-Scheine aus. Zu meiner Unterkunft ging es dann bergauf durch einen Wald - mein Fahrrad musste ich schieben. Auf dem Weg sah ich noch ein totes Reh, das als Gerippe auf dem Weg lag und verdammt doll stank. 
Das Haus hatte ich schnell gefunden, als die Besitzer jedoch nach draußen kamen, sagten sie mir, dass ich dort falsch sei und zum Glück nicht der erste war, dem das passierte. 
 
Ein paar Meter weiter empfing mich dann das Ehepaar, dem das Haus gehörte, in dem ich übernachten würde. Sie waren beide unfassbar nett, erzählten mir von ihrem Sohn, der über deutsches Fernsehen Deutsch gelernt hatte und fragten mich über meine Reise aus. Außerdem bestätigten sie mir, dass die kroatischen Autofahrer nicht die besten seien. Im Kühlschrank hatten sie Kuchen für mich und sie erklärten mir den besten Weg in die Hauptstadt Sloweniens. 
 
Meine bisher beste Hotelerfahrung endete mit mir auf dem großen Bett nach einer Portion Nudeln, die ich in der Köche gemacht hatte. Ich sah mir noch "Wer wird Millionär" mit der wohl komischsten Kandidatin überhaupt an und schlief dann ein.