Dienstag, 13. Juni 2017

Tag 79-81 - In Kornwestheim (16.-18. Mai)

Dienstag, der 16. Mai

Ich hatte mir vorgenommen nach dem anstrengenden Tag mal richtig schön auszuschlafen. Dabei hatte ich so ungefähr an 09 Uhr gedacht. Na ja...es wurden ein paar Stunden mehr. Für den Tag hatte ich mir vorgenommen nach Stuttgart zu fahren, weil ich noch ein paar Dinge zu erledigen hatte. Nach einem leckeren Frühstück zur Mittagszeit schnappte ich mir mein Fahrrad und fuhr nach Stuttgart. Dabei fand ich besonders einen großen Park besonders schön, von dem aus man eine tolle Aussicht auf diese ebenso wunderschöne Stadt hatte. 
 
Zunächst ging es für mich zum Hosenkauf, denn meine Jeanshose, die ich bei "Schulz und Böhmermann" anhatte, hatte ich aus Platzspargründen in Köln gelassen. Mit kurzer Hose, Jogginghose oder der wasserabweisenden Radhose wollte ich nicht ins Theaterstück, also musste eine neue Hose her und ich hasse es Klamotten einzukaufen, also wollte ich diese Hölle auf Erden so schnell es ging hinter mich bringen. Ich wollte eine Hose unter 100€ und ohne diese modernen Löcher - da war schon mal der Großteil raus. Hinzu kommt, dass es meine Größe nicht so oft gibt. Verzweifelt sah ich mich dort also um, sodass eine Mitarbeitern mich fast schon mitleidig fragte, ob sie mir denn nicht helfen könne. Als ich diese Tortur erfolgreich hinter mich gebracht hatte, wollte ich Geld wechseln, denn ich hatte keine Lust in London nach einer Wechselstube zu suchen (was sich in London später als idiotisch herausstellte). Doch wurde ich in der Bank leider enttäuscht, denn Pfund hatten sie gar nicht da. Also musste ich zu einer Wechselbank im Hauptbahnhof gehen. Dort hat das Ganze natürlich etwas mehr gekostet, als ich es mir gewünscht hätte, so würde ich in London aber keinen Stress haben. Danach belohnte ich mich mit einer Pizza bei Vapiano.
 
Doch mein Programm für den Tag war noch lange nicht beendet, denn ich musste noch neue Kopfhörer kaufen, weil die zwei, die ich auf die Reise mitgenommen habe nicht überlebt hatten. Ich war etwas skeptisch, ob es die 35€ wirklich wert waren, aber, als ich das erste Lied mit den neuen Kopfhörern hörte, musste ich fast weinen, so toll war die Klangqualität. Weiter ging es dann in eine Buchhandlung, in der ich etwas stöberte, bis ich wieder zurück nach Kornwestheim fuhr. 
 
Mittwoch, der 17. Mai

Stellt euch mal Latein-Unterricht vor. Auf halber Geschwindigkeit. 10 Stunden lang. In etwa so langweilig war dieser Tag. Ich habe ausgeschlafen, gefrühstückt und dann Serien geguckt und gelesen. Man muss ja nicht jeden Tag von einer europäischen Großstadt in die nächste fahren...

Donnerstag, der 18. Mai

Ich wachte mit dem Wissen auf, dass ich am Abend in London einschlafen würde und das ist der wohl tollste Gedanke, den es überhaupt gibt. Doch zuvor hieß es erst einmal planen. Wie komme ich vom Flughafen ins etwa fünf Kilometer entfernte Hotel, wie vom Hotel in Gatwick nach London und wieder zurück und wie komme ich erst einmal von Kornwestheim zum Flughafen Stuttgart? Vorher ging es ans Sachenpacken. Was muss unbedingt mit, was darf ich überhaupt mitnehmen (T-Shirt: okay; großes Messer: eher nicht) und wie groß darf mein "Koffer" sein. Letztendlich entschied ich mich für eine kleine Fahrradtasche und nahm noch den Turnbeutel aus Venedig für Tagesausflüge mit. Ingeborg fuhr mich noch bis zum Bahnhof von Kornwestheim und von dort aus fuhr ich ohne Probleme mit der Bahn zum Flughafen. Dort kam ich deutlich zu früh an und war irgendwie (wie auch schon den ganzen Tag über) total aufgeregt, was mich ziemlich wunderte, schließlich hatte ich gar keine Flugangst. Um mich etwas zu entspannen, ging ich zu Burger King und aß und trank dort noch etwas. 
 
Innerhalb von fünf Minuten kam ich dann durch die Sicherheitskontrolle und musste danach wieder warten. Auf meinem iPad sah ich mir eine Folge vom "Tatortreiniger" an, die ich mir vorher runtergeladen hatte und unterhielt mich noch etwas mit anderen Passagieren. Der Flug hatte etwa eine halbe Stunde Verspätung, doch das Warten machte mir nichts mehr aus. Dadurch, dass der Flieger nun aber später startete, war es zu dunkel geworden, als dass man draußen etwas hätte sehen können. Kurze Zeit später waren wir dann alle im Flieger, es folgten die üblichen Sicherheitshinweise und wir flogen los. Und in dem Moment, in der Flieger den deutschen Boden verließ, war ich komplett entspannt und wusste, warum ich vorher so aufgeregt gewesen war: In meinem Leben bin ich noch nie alleine geflogen und nun war das erste Mal, dass ich durch die Sicherheitskontrolle und das richtige Gate finden musste. Im Nachhinein war das gar kein Problem, aber offensichtlich hat mir das unterbewusst doch ziemliche Sorgen bereitet. 
Aus dem kleinen Fenster konnte ich die Lichter der Großstädte sehen und das war schon ziemlich schön. So konnte ich darüber hinwegsehen, dass man sonst den Großteil des Fluges über nichts sah, außer die Schwärze der Nacht. 
 
In London Gatwick angekommen regnete es natürlich, wie sich das für London gehört. Kaum stand der Flieger still, standen alle Passagiere auf, doch wir mussten noch auf die Passagierbrücke warten. Nach einer halben Stunde sagte man uns, dass diese einen Defekt hätte und wir über eine Treppe aus dem Flugzeug kommen sollten. 
 
Ich kam ohne Probleme aus dem Flughafen, hatte dann aber Probleme die nächste Busstation zu finden, die etwa einen Kilometer vom Flughafen entfernt war. Erschwerend kam dazu, dass es außerhalb des Flughafens fast gar keine Fußwege gab und es dunkel war und regnete. Das alles nervte mich so, dass ich mich doch dazu entschied ein Taxi zu nehmen. Das kostete 13 Pfund, aber so konnte ich entspannt ins ibis-Hotel kommen und war überglücklich, als ich dort endlich ankam. Völlig fertig, erschöpft und müde schlief ich in dem schönen Hotelzimmer ein.

Tag 78 - Von Ulm nach Kornwestheim (15. Mai)

Am Morgen sah das Wetter schon deutlich besser aus, als noch am Nachmittag zuvor. Das Frühstück war inklusive und sogar sehr lecker, für die etwas längere Fahrt nach Kornwestheim (in der Nähe von Stuttgart) wollte ich aber noch etwas Proviant einkaufen. Zum Glück befand sich der nächste Bäcker keine 100 Meter vom Hotel entfernt. So hatte ich schnell alle Sachen zusammen und machte mich um 09 Uhr auf den Weg, denn ich hatte über 100 Kilometer vor mir. 
 
Es dauerte nicht lange und ich hatte Ulm endlich verlassen, nicht weil ich die Stadt nicht schön gefunden hätte, sondern weil mich die vielen Ampeln in Großstädten als Radfahrer sehr nerven. Ich freute mich darüber, dass ich nun ein paar Kilometer geradeaus auf einer wenig befahrenen Straße mit viel Wald drumherum vor mir hatte, doch meine Freude wurde sehr schnell gedämpft, als ich sah, dass der Weg anscheinend gesperrt war. Ein Blick auf mein Navi bestätigte meinen Verdacht, dass ein Umweg mit einigen zusätzlichen Kilometern verbunden war und so fuhr ich erst einmal weiter in der Hoffnung irgendwie doch weiterzukommen.
 
Nach einem kurzen Gespräch mit zwei Radfahrerinnen wich ich auf einen Waldweg aus, der etwa 100 Meter entfernt parallel an der Straße entlängs führte - durch die Baustelle konnte man als Radfahrer anscheinend nicht gut durchkommen. So konnte ich die Ruhe und Natur noch viel mehr genießen. Nur zwei Läufer habe ich auf diesem abgeschiedenen Weg gesehen. Ich nutzte die Ruhe um ein Filmhörspiel zu hören. Dieses Mal entschied ich mich für etwas Witzigeres: "Rapunzel - Neu verföhnt".
 
Weiter ging es unter einem wolkigen Himmel an vielen weiten Feldern vorbei. Nun hörte ich wieder ein paar motivierende Lieder, um schneller voranzukommen, denn einige Kilometer hatte ich noch vor mir. Ich suchte wieder nach einer Bank für eine Pause und wurde in einer kleinen Stadt in der Nähe eines Kindergartens fündig. Ich genoss die ruhige entspannte Pause, bis wenige Minuten später die ersten Mütter kamen, um ihre Kinder abzuholen. Dieser Strom an Müttern und quengelnden Kindern riss nicht ab und so fuhr ich weiter.
 
Weiter ging es in einen wunderschönen Wald. Die Mittagssonne schien durch die grünen Blätter und alles sah wunderschön aus, bis eine Absperrung auf meinem Weg auftauchte, auf der es hieß: "Gesperrt - Lebensgefahr durch Steinschlag und Felsabbrüche". Ein kleineres Schild daneben verriet, dass immerhin der Fußweg zum Wasserfall frei sei. Ich hatte keine Ahnung, wo genau sich dieser Wasserfall befinden würde, wusste aber, dass dies der einzige Weg war, wollte ich nicht einen riesengroßen Umweg fahren und das wollte ich ganz bestimmt nicht. 
 
Es dauerte nicht lange, bis ich an die nächste Absperrung mit der gleichen Aufschrift kam. Wohl oder übel musste ich mit meinem Fahrrad jetzt auf dem schmalen, steilen und steinigen Fußgängerweg weiterfahren, der in die gleiche Richtung führte. Eigentlich hatte ich mich auf diese Strecke gefreut, schließlich ging es nun endlich wieder bergab, aber so musste ich entweder ganz langsam mit angezogener Bremse fahren oder das Fahrrad schieben. Lediglich der Podcast "Gästeliste Geisterbahn", den ich dabei hörte, heiterte mich etwas auf. Außerdem brachte es ja gar nichts sich aufzuregen, da es zu diesem Weg gar keine Alternativen gab.
 
Dafür wurde ich kurz danach belohnt, denn der besagte Wasserfall tauchte auf und davor noch eine Brücke, die über einen Bach führte, der sich von ganz oben herunterschlängelte. Diese schöne Kulisse nutzte ich, um ein paar Fotos zu machen. 
 
Danach hatte ich noch einen schönen Ausblick auf den Wasserfall und fuhr motiviert weiter, da ich dachte, dass ich diesen Weg nun ohne Probleme weiterfahren könnte, doch leider tauchte ein paar Meter später eine weitere, dritte Absperrung auf. Wieder sah ich mich auf dem Handy nach anderen Wegen um, doch wusste auch, dass ich den gesamten schmalen, steinigen Weg, der schon beim Herunterfahren anstrengend war, wieder hätte hochfahren müssen bzw. eher schieben. Auf der anderen Seite hatte ich nicht Lust mitten im Nirgendwo von einem Stein getroffen zu werden. Ich war am Überlegen, als ein junger Radfahrer den abgesperrten Weg heruntergefahren kam. Er versicherte mir, dass er den Weg schon oft gefahren sei und ihn bisher kein Stein getroffen hätte. So beschloss ich gut aufzupassen und diese Passage schnell hinter mich zu bringen. 
 
Ein mulmiges Gefühl hatte ich dann doch und war sehr froh, als ich auf einer normalen Straße landete. Ein wenig ging es nun auch noch bergab und ich war froh all die Absperrungen durch Baustelle oder Steinschlag hinter mir gelassen zu haben, als die nächste vor mir auftauchte. Und diese befand sich vor einer Brücke, die über eine Autobahn führte. Eine weitere Brücke war weit und breit nicht zu sehen. Ich war gerade total am verzweifeln, als zwei Bauarbeiter vorbeifuhren, die ich nach einer Alternative fragte. Diese sagten mir, dass ich mit einem kleinen Umweg auf die Brücke kommen würde und diese nur für Autos gesperrt sei. 
 
Nach all den Strapazen machte ich eine wohlverdiente Pause vor einer Kleinstadt. Ich hörte den Podcast "Kino+" und telefonierte noch kurz mit meinem Papa. Danach ging es durch Stuttgart, was natürlich wieder etwas nervig war, da das Durchfahren dieser Großstadt mit zahlreichen roten Ampeln verbunden war. Dafür konnte ich einen ersten sehr positiven Eindruck von der Stadt gewinnen.
 
Um circa 17:30 kam ich dann bei Ingeborg und Dieter in Kornwestheim an. Ingeborg ist die beste Freundin von meinem verstorbenen Opa und mein Vater telefoniert hin und wieder mit ihr. Da ich für den 21. Mai ein Ticket für das "Harry Potter"-Theaterstück in London hatte, brauchte ich einen Platz, wo ich mein Fahrrad unterstellen konnte. Da fiel meinem Vater Ingeborg ein, die in der Nähe von Stuttgart wohnt. Obwohl Ingeborg und Dieter gerade erst eine längere Reise hinter sich und mit dem Jetlag zu kämpfen hatten, wurde ich sehr nett empfangen. Ich hatte mein eigenes Zimmer und konnte mein Fahrrad im Keller sicher verstauen. Nach dem Abendbrot und einem Telefonat mit meinen Eltern ging es dann auch schon ins Bett.

Montag, 12. Juni 2017

Tag 77 - Von Memmingen nach Ulm (14. Mai)

Wieder einmal konnte ich den Luxus eines Frühstücks genießen, das im Preis mit inbegriffen war und das war deutlich besser, als das kleine Hotelzimmer. Es gab reichlich Brötchen, Orangensaft (den ich wegen meiner Fruktoseintoleranz leider nicht austrinken konnte) und Kakao. 
 
So ging es dann bei gutem Wetter los, doch Wolken waren eigentlich ununterbrochen über mir, wie eine stille Drohung. Da es hauptsächlich durch ländliche Gegenden an Feldern vorbei ging und ich deshalb auf wenige andere Menschen traf, konnte ich laut Musik hören und war dadurch so motiviert, dass ich ein ziemlich gutes Tempo draufhatte. Zudem musste ich auch nur weniger als 60 Kilometer fahren - eine Strecke, die durchaus machbar schien. 
 
Doch die Wolken machten mir wirklich Sorgen, denn mal war ein blauer Himmel direkt über mir, aber keine fünf Minuten später eine prall gefüllte Wolke, die kaum mehr Wasser hätte tragen können. So rechnete ich sekündlich damit, dass es zu regnen begann, doch der Regen kam erst etwa 10 km vor Ulm. Ich fuhr einige Meter durch den stärker werdenden Regen und entdeckte dann ein McDonalds. Da sich hinter der Regenwolke wieder ein strahlend blauer Himmel erstreckte, beschloss ich dort eine kurze Pause einzulegen und maximal ungesund zu Essen. Bald schon hörte es auf zu regnen und auf der Regenradar-App sah ich, dass ich mich nun ziemlich beeilen musste, wollte ich nicht in einen starken Regen kommen.
Etwa drei Kilometer, bevor ich bei dem Hotel angekommen war, begann es dann so heftig, wie noch nie während der Reise zu regnen. Innerhalb von Sekunden war ich komplett nass und ärgerte mich, dass ich meine Pause nicht einfach zehn Minuten früher beendet hatte. Noch dazu kamen die vielen roten Ampeln in Ulm. 
 
Besonders nervte mich daran, dass die Autofahrer vor mir die Straße überqueren durften, waren die doch vor dem Regen geschützt. Beim Hotel angekommen, wurde ich sehr nett empfangen und im Zimmer legte ich erst einmal alle nassen Klamotten auf die Heizung. Dafür hatte ich eine sehr schöne Sicht auf Ulm. Um mich etwas aufzuheitern, lud ich mir Netflix runter, um nach zahlreichen Empfehlungen endlich "13 Reasons Why" zu gucken, aber anscheinend war das WLAN zu schwach, obwohl ich auf YouTube und Amazon Prime ohne Probleme Videos gucken konnte. So sah ich mir eine mäßig witzige Komödie auf Amazon Prime an und ging dann recht früh schlafen.

Tag 76 - Von Wertach nach Memmingen (13. Mai)

Nach den fünf freien Tagen in Wertach war ich total im Urlaubsmodus und meine Lust wieder aufs Fahrrad zu steigen hielt sich in Grenzen. Diese Bequemlichkeit habe ich doch sehr genossen. Doch eines der größten Highlights stand noch an und war nun nicht einmal mehr eine Woche entfernt - London. So freute ich mich auch auf die nächsten Tage, da sie die Distanz zwischen mir und dieser fantastischen Stadt verkürzten.
 
Der Start wurde mir dann auch direkt vermiest - ich trat aus der Tür und es begann direkt zu regnen. Auf der anderen Seite war ich auch ganz gut gelaunt, da mein Fahrrad nun wieder heil war und ich mir keine Sorgen machen musste, als es zu Beginn steil bergauf ging und ich mit vollster Kraft in die Pedale treten musste. Schnell hörte es dann auch auf zu regnen und unter der strahlenden Sonne kämpfte ich mich Meter für Meter nach oben immer unter der Beobachtung von einigen Kühen, die unbeeindruckt auf den Feldern neben meinem Weg grasten. Zur Aufmunterung hörte ich eine neue Folge "Gute Arbeit Impro" und so konnte ich den schwierigsten Teil des Weges nach Memmingen gut hinter mich bringen. Außerdem hatte ich danach einen der unglaublichsten Ausblicke während der ganzen Reise. Links neben mir lagen die Alpen - Berg an Berg bis ich keinen mehr sehen konnte. Rechts neben mir lag der eher flache Rest von Deutschland. Bis auf das Mittelmeer konnte ich noch nie so weit sehen. Es reihten sich Dorf an Dorf und Hügel an Hügel, der immer weniger wurden, je weiter man sah. Und ganz hinten, ganz klein konnte ich die Elbphilharmonie in Hamburg sehen...na ja, gut das war gelogen, aber ich konnte wirklich ziemlich weit sehen.
 
Außerdem ging es nun endlich wieder bergab und zwar eine sehr lange Strecke mit ordentlich Karacho. Ich genoss den Fahrtwind und freute mich noch viel mehr über einen Blick auf mein Handy - der schlimmste Teil war schon geschafft und ich hatte bereits einige Kilometer hinter mich gebracht, obwohl es mir so vorkam, als wäre ich gerade erst wieder gestartet. 
 
Bei der Fahrt runter sah ich ein Ortsschild mit dem Namen "Morgen". Das fand dich irgendwie ziemlich witzig und fotografierte es deshalb:
 
Hier deshalb nun ein paar Witzvorschläge dazu. Weitere erwarte ich zahlreich in den Kommentaren!

1. Dem Bürgermeister darf auch keiner sagen: "Du musst im Hier und Jetzt leben, kümmere dich nicht um Morgen!"
2. Wie heißt die berühmteste Person aus der Gegend? Morgen Freeman.
3. Irgendwas mit Morgähn, ach, mir fällt doch auch nichts mehr ein...

Ich fuhr weiter und stieß auf eine großräumig abgesperrte Baustelle. Ein großes Hinweisschild machte mich darauf aufmerksam, dass es hier auf gar keinen Fall erlaubt war durchzufahren. Gerade suchte ich auf meinem Handy nach einer guten Alternativroute, die es nicht wirklich gab, als ein Fahrradfahrer, der direkt von der Baustelle kam an mir vorbeifuhr. Er sah sehr lebendig aus und es war Samstag, also arbeitete dort keiner und so fuhr auch ich den doch ziemlich langen Weg entlang, der eben doch mehr Baustelle, als Weg war.
 
Ich kam gut voran, freute mich über das schöne Wetter und sah ein paar Meter von mir entfernt auch noch ein Reh. Insgesamt habe ich wirklich viele Tiere auf der Reise gesehen und mich immer wieder darüber gefreut diese in freier Wildbahn zu sehen. Neben dem Reh hatte ich an diesem Tag auch noch einen Fuchs gesehen, der so schnell über den Weg gehuscht war, dass ich leider kein Beweisfoto von dem Fuchs machen konnte, aber ich hab ihn wirklich gesehen! Versprochen!
 
Ich machte noch eine Pause, hörte einen Podcast, aß etwas und freute mich über den schönen Neustart meiner Reise. Das Hotel war auch sehr schnell gefunden und so saß ich Abends auf dem Bett und sah den ESC im Fernsehen, machte den allerdings schnell wieder aus, weil sich überraschenderweise herausstellte, dass der kleinste gemeinsame Nenner des europäischen Musikgeschmacks irgendwie nicht so dolle ist...

Dienstag, 30. Mai 2017

Tag 71-75 - In Wertach (08.-12. Mai)

Nach über zwei Monaten auf dem Fahrrad ohne längere Pausen, hatte ich mich dazu entschieden in Wertach im Allgäu fünf Tage Urlaub zu machen. Hinzu kam, dass mein Fahrrad repariert werden musste - ein perfekter Zeitpunkt also für ein paar freie Tage. In Wertach war ich vor vier Jahren bereits mit meiner Familie, sodass ich den Ort immerhin ein wenig kannte. Dort bin ich im Ferienhaus Guckler untergekommen und hatte dort im Zimmer auch eine Kochnische. Leider funktionierte das WLAN nur im Badezimmer und in der Küchenzeile ganz nah an der Wand. YouTube-Videos konnte ich also nur beim Kochen oder auf Toilette angucken. Ich räumte mein iPad etwas auf und konnte so ein paar Serienfolgen runterladen, um sie mir auch am Schreibtisch oder im Bett anzusehen.

Montag, der 08. Mai

Diesen Tag nutzte ich zunächst, um mein Fahrrad in die nächste Werkstatt zu bringen. Dort sagte man mir, dass die Reparatur wahrscheinlich um die 165€ kosten würde, also deutlich günstiger, als in München. Ich wusste mein Rad in guten Händen und freute mich schon darauf es in wenigen Tagen wieder abzuholen. 
 
Danach ging ich für die gesamte Woche einkaufen. Neben Cornflakes, Gemüse, Süßigkeiten kaufte ich auch einige Zutaten für Kaiserschmarrn, denn ich vermisste das Kochen und wollte die Küchenzeile ausnutzen. Den Großeinkaufen verfrachtete ich in zwei Taschen und schleppte diese dann den kurzen Weg in meine Ferienwohnung. Da es ununterbrochen regnete, machte ich Kaiserschmarrn und sah mir einige Folgen vom "Tatortreiniger" (ich bin ein großer Fan geworden) und "American God" an.
 

Dienstag, der 09. Mai

Wieder regnete es ziemlich und noch dazu verschlief ich etwas. Schnell machte ich mich auf zum Fahrradladen, um den aktuellen Stand der Reparatur zu erfragen. Dort gab es leider schlechte Nachrichten: Die mittlere Rizzel, die ausgetauscht werden musste, war einzeln nicht mehr vor Juni zu haben und deshalb wurden alle ausgetauscht. So stieg der Preis auf 275€, ein Preis, der dafür und für die Arbeitszeit sehr günstig ist, für mich aber eben ziemlich teuer war. Zum Glück habe ich von meinen Eltern da Unterstützung bekommen. 
 

Mittwoch, der 10. Mai

Ich nutzte das nun endlich gute Wetter aus und ging zum ersten Mal seit Venedig wieder eine Runde Laufen. Die Fahrradschuhe waren dafür zwar nicht optimal, aber die Aussicht auf die Berge war einfach fantastisch. Ich lief um den ganzen Grüntensee eine Strecke von insgesamt über 13 km, war mit meiner Zeit aber sehr unzufrieden. 
 
Gerade bei dem Gedanken, dass mein Papa mich für Ende Juni in Hamburg für einen Halbmarathon angemeldet hatte. Den vierten Platz in meiner Altersklasse (von fünf Teilnehmern) vom Vorjahr möchte ich schließlich verteidigen. Bei der Hälfte der Strecke machte ich bei einem Kletterpark noch eine Pause. 
 
Vor vier Jahren war ich dort mit meiner Familie und es war seltsam nach all den Jahren wieder an den Ort zurück zu kehren. Bei der Slackline-Anlage legte ich eine kleine Balancier Session ein und lief dann zurück. 
Zurück in der Ferienwohnung machte ich mir ein Rührei und sah weitere Folgen des Tatort-Reinigers. 
 

Donnerstag, der 11. Mai

Endlich hatte ich mein Fahrrad wieder. Ich hatte das Gefühl direkt einige km/h schneller fahren zu können und nutzte das gute Wetter, um mit dem Rad wieder zur Slackline-Anlage zu fahren. Dort hörte ich ein paar Podcasts, während ich über eine Stunde lang von einer Seite zur anderen balancierte. Doch leider wurde das Wetter schlechter und es begann zu regnen. Eigentlich hatte ich noch geplant eine Alm zu besuchen, doch wegen des Wetters verschob ich das auf den nächsten Tag. Dafür kümmerte ich mich im Trockenen um meine Weiterfahrt.
 

Freitag, der 12. Mai

Diesen Tag nutzte ich, um einige Blogeinträge zu schreiben, aufzuräumen und Zimmer für die nächsten beiden Nächte zu buchen. Da ich bei dem Urlaub in Wertach mit meiner Familie vor vier Jahren am letzten Tag die "Alpe Sorg 1" besucht hatte, nahm ich mir das für meinen letzten Tag auch vor. Mit dem Fahrrad fuhr ich bei leichtem Regen den schönen Weg hoch und fand eine sehr verlassen wirkende Hütte vor. 
 
Als ich den Gaststätte betrat, war alles leer, lediglich aus der Küche hörte ich zwei sich unterhaltende Männer. Ich wollte nicht laut "Hallo" rufen, aber auch nicht an der Küchentür anklopfen, also betrat ich den Raum noch einmal etwas lauter, in der Hoffnung gehört zu werden, doch das war leider nicht der Fall. Also studierte ich die Speisekarte sehr ausgiebig, bis der Wirt kam und mir verriet, dass sie noch gar kein Essen da haben würden, dafür aber etwas zu trinken. 
 
Ich bestellte ein Amldudler und saß dann ganz alleine an einem der Tische, als der Wirt wieder reinkam und mich zu sich und seinem Freund in die Küche bat. Dort wechselte das Gespräch zwischen Fragen an mich über meine Reise zu einem nicht verständlichen Gespräch der beiden auf Bayrisch über eine Frau. Außerdem fragte mich der Wirt, ob ich nicht vor drei/vier Jahren mit meinen Eltern schon einmal da gewesen wäre. Entweder sagt er das zu jedem Gast oder ich muss ziemlich auffällig gewesen sein. Irgendwie gefreut hat es mich auf jeden Fall trotzdem. Das Almdudler musste ich nicht bezahlen und so fuhr ich glücklich über diese nette Begegnung zurück in die Ferienwohnung.

Montag, 29. Mai 2017

Tag 70 - Von Fuchstal nach Wertach (07. Mai)

Wenn man mit ganz niedrigen Erwartungen an Dinge rangeht, kann man nicht so leicht enttäuscht werden, doch der 07. Mai tanzte Limbo unter meinen sehr niedrigen Erwartungen an den Tag. Dabei fing der Tag recht gut an, mit einem leckeren Frühstück inklusive drei Brötchen und einer Brezel - übrig geblieben ist da nichts. So war ich gestärkt und doch direkt sehr niedergeschlagen, als ich einen vorsichtigen zweifelnden Blick aus dem Fenster warf. Holt die Rettungsbote oder gleich die Arche Noah, diese Flut überleben wir nicht, dachte ich. Es regnete ziemlich heftig und ich fragte mich, wie fiel Regen wohl in so eine Wolke reinpasst. Die Antwort: Genug, um mir den Tag so richtig zu versauen. 
 
Ich hüllte mich in meine regenfeste Kleidung und fuhr los. Der Regen war zwar nervend, aber wirklich störend war der verdammte Wind. Als ob nicht eines von beiden schon reichen würde. Um mein Tempo noch etwas zu drosseln, ging es einen Großteil der Strecke auch noch bergauf. Hinzu kam, dass ich mit meinem Fahrrad zu kämpfen hatte, denn ich konnte nur auf höchster oder niedrigster Stufe fahren, wenn ich wollte, dass die Kette nicht andauernd übersprang und das das wollte ich. Ein Highlight war dann, als es einen Kilometer bergab ging und ich über 20 km/h fahren konnte. 
Ich hatte zwar nur ungefähr 55 Kilometer vor mir, aber seltsamerweise kam mir das Ganze deutlich länger vor. Während der Reise musste ich feststellen, dass die Länge der Strecke alleine überhaupt gar nichts darüber aussagt, wie lange man radeln musst und erst recht nicht, ob der Weg einfach zu fahren ist. Fünf Kilometer Schotterweg, Regen, Wind und Berge, über die man drüber muss, können da die Laune in den Keller bringen und in eine kleine dunkle Truhe einsperren und diese dann im Meer versenken.
So war ich unheimlich froh, als ich das "Wertach"-Ortsschild sah. 
 
Vor vier Jahren habe ich mit meinen Eltern und meiner Schwester dort Urlaub gemacht und tatsächlich kamen die Erinnerungen an den Ort direkt wieder, als ich dort ankam. Wenige Kilometer vor der Unterkunft sah ich eine Gaststätte und überlegte dort einen Kaiserschmarrn zu essen, als ich jedoch sah, dass dieser ganze 7,50€ kosten sollte, beschloss ich mir am nächsten Tag die wenigen Zutaten im Supermarkt zu kaufen und selbst einen zu machen.
In dem Ferienhaus wurde ich sehr nett empfangen und man zeigte mir meine Ferienwohnung, die aus einem Zimmer mit Doppelbett, Fernseher und Küchennische sowie einem Badezimmer bestand. Ich war unglaublich glücklich über diese schöne Unterkunft und erholte mich erst einmal von dem anstrengenden Tag. 

Tag 69 - Von München nach Fuchstal (06. Mai)

Nachdem ich in München bei den Graeves so unglaublich nett und gastfreundlich aufgenommen wurde, fiel mir der Abschied sehr schwer, auf der anderen Seite hatte ich die schöne Aussicht auf eine Woche Pause im Allgäu. Also packte ich routiniert meine Sachen zusammen und kaufte im Supermarkt noch etwas Proviant ein.
 
Bei ziemlich gutem Wetter ging es dann los, doch schnell bekam meine gute Laune einen heftigen Dämpfer: Die Kette sprang die ganze Zeit über. Ich konnte nicht richtig in die Pedale treten und hatte noch fast 100 km vor mir. Außerdem war ich um 13 Uhr recht spät losgefahren und hatte eigentlich keine Zeit, um mich um ein weiteres Problem zu kümmern. Doch leider war es einfach nicht möglich schnell zu fahren und so suchte ich auf Google Maps nach einem Fahrradladen in der näheren Umgebung. Da es Samstag war, hatten die meisten schon zu, doch zum Glück fand ich einen, der nur etwa 2 km von mir entfernt war. Dort angekommen wurde ich leider wieder enttäuscht, denn erst einmal bekam ich die schlechte Nachricht, dass die Fahrradkette und die Zahnkränze komplett ausgetauscht werden mussten. Außerdem sagte man mir mehrfach, dass das "richtig teuer" werden würde. Da steigt die Laune natürlich. Da macht man sich wochenlang Gedanken, ob man ein schönes Hotelzimmer für 50€ oder ein weniger schönes für 40€ nehmen soll und dann hört man von ungefähr 250€ Reparaturkosten. Aber was muss, das muss. Ich wollte ja schließlich weiter und eine richtige Alternative hatte ich nicht. Gut, ich hätte mein Fahrrad als Roller nutzen können, aber das nimmt dann wieder ein bisschen Tempo. Doch dann erfuhr ich, dass der Fahrradladen am Samstag gar keine Reparaturen machte. Der Mitarbeiter war sehr bemüht und fragte noch mal beim Chef nach, ob sie nicht doch eine Ausnahme machen könnten, doch das war leider nicht möglich. Meine Kette wurde noch geölt und für mich ging es weiter...so gut es ging...
 
Ich fuhr nun entweder auf der höchsten oder niedrigsten Stufe, da die mittlere Ritzel völlig abgenutzt war. So sprang die Kette nicht mehr über, aber die Fahrt wurde schon deutlich erschwert und ich war einfach tierisch genervt. Nur die Sonne schein fröhlich vor sich hin und tat so, als wüsste sie von nichts. Vorsichtig fuhr ich weiter und versuchte das Beste aus der Situation zu machen - etwas ändern konnte ich schließlich nicht, jetzt hieß es einfach bis nach Wertach kommen und dort das Fahrrad reparieren lassen. 
 
Das gute Wetter konnte ich sogar ganz gut genießen und die Musik, die laut aus meinem iPhone schepperte, hob meine Laune auch etwas. Außerdem war ich sehr froh, dass ich München verlassen hatte, denn in der Stadt verbringt man als Fahrradfahrer ziemlich viel Zeit mit dem Warten an Ampeln. Oft steht man da Minute lang, alle warten, keiner fährt und man fragt sich: "Ja, worauf genau warten wir hier eigentlich genau?" 
Zum Glück also keine Ampeln weit und breit nur Fahrradweg und Wiesen - herrlich.
 
Als ich einem mit dem Auto verirrten alten Pärchen helfen wollte, merkte ich, wie weit ich von der nächsten Großstadt entfernt war, denn ich hatte keinen Internetempfang. Doch zum Glück war der gesuchte Ort auch offline bei Google Maps zu sehen, sodass ich den Beiden immerhin die richtige Richtung sagen konnte. "Habe ich dir doch gesagt", sagte die Frau noch zu ihrem Mann, dann fuhren die beiden weiter. Auch ich fuhr weiter und kam gerade, als es zu regnen anfing bei der Gaststätte an, die auch kleine Zimmer vermietete. 
 
Genervt von dem reparaturbedürftigen Fahrrad rief ich zu Hause an und hatte ein aufbauendes Gespräch mit meinem Vater, der mir auch für den kommenden Tag Mut machte, denn für den war das Wetter eher suboptimal angesagt. Ich aß in der Gaststätte noch etwas, sah mir auf Amazon Prime einen Film an und genoss den Abend vor dem furchtbaren nächsten Tag voller Regen, Wind und Berge.